Der Expertenstandard „Erhaltung und Förderung der Hautintegrität in der Pflege“ beschreibt, wie Sie als Pflegefachpersonen Risiken für Hautschädigungen einschätzen, geeignete Maßnahmen planen und die Wirksamkeit Ihrer Pflege evaluieren. Er dient als fachlicher Maßstab für professionelle Hautpflege und legt die Schritte fest, die notwendig sind, damit Sie Hautveränderungen frühzeitig erkennen und Komplikationen vermeiden können. In der täglichen Praxis begegnen Sie häufig denselben Herausforderungen: trockene Haut bei älteren Menschen, Reizungen im Intimbereich durch Inkontinenz, Hautfaltenentzündungen bei Adipositas oder Hauteinrisse infolge fragiler Haut. Der Expertenstandard Hautintegrität bietet hierfür eine strukturierte Vorgehensweise, um Risiken einzuschätzen, geeignete Produkte auszuwählen und Pflegemaßnahmen individuell zu planen.

Ziele und Aufbau des Expertenstandards
Das Ziel lautet, die Hautintegrität von Menschen mit pflegerischem Unterstützungsbedarf zu erhalten oder wiederherzustellen. Der Expertenstandard ist für alle Pflegebereiche anwendbar – im Krankenhaus und in der stationären sowie ambulanten Pflege.
Er folgt den bekannten Schritten des Pflegeprozesses und gliedert sich in fünf Ergebnisebenen:
- Einschätzung von Risiken und Hautproblemen
- Planung geeigneter Maßnahmen
- Edukation der Betroffenen und Angehörigen
- Durchführung der Maßnahmen
- Evaluation der Ergebnisse
Jede Ebene ist einem klaren Pflegeergebnis zugeordnet und ermöglicht damit eine nachvollziehbare Qualitätskontrolle (DNQP 2023).
Ausschnitt aus dem E-Learning-Kurs „Expertenstandard Erhaltung und Förderung der Hautintegrität“
Ersteinschätzung: Risiken erkennen
Eine sorgfältige Ersteinschätzung ist die Grundlage für alle weiteren Schritte. Sie erfolgt meist beim Aufnahmegespräch oder zu Beginn eines neuen Pflegeauftrags. Besonders gefährdet sind Personen mit eingeschränkter Mobilität, Inkontinenz, Diabetes mellitus, Adipositas oder chronischer venöser Insuffizienz. Auch bestimmte Medikamente, zum Beispiel Diuretika oder Kortikosteroide, beeinflussen die Hautstruktur und erhöhen das Risiko für Schäden (DNQP 2023: 21).
Zur Einschätzung gehören gezielte Fragen, etwa nach Hautveränderungen, Spannungsgefühl, Juckreiz, bekannten Allergien oder den verwendeten Pflegeprodukten. Werden Risiken festgestellt, schließt sich eine vertiefte Einschätzung an. Fällt sie unauffällig aus, dokumentieren Sie das Ergebnis und wiederholen die Einschätzung bei Bedarf.
Vertiefte Einschätzung und Hautinspektion
Die Maßnahmenplanung erfolgt auf Basis der erhobenen Daten. Sie berücksichtigt individuelle Risiken, vorhandene Ressourcen und die Mitwirkung der betroffenen Person. Der Maßnahmenplan hält fest, welche Hautbereiche beobachtet, welche Produkte eingesetzt und wann die Ergebnisse überprüft werden.
Ergänzend können weitere Berufsgruppen eingebunden werden, etwa Wundexpert*innen oder Dermatolog*innen. Ziel ist eine abgestimmte Versorgung, die die Hautgesundheit langfristig stabilisiert und die Anforderungen des Expertenstandards Hautintegrität vollständig erfüllt.
Edukation: Wissen vermitteln und Selbstmanagement fördern
Information, Schulung und Beratung sind zentrale Elemente des Standards. Pflegefachpersonen informieren über Hautreinigung, Produktwahl und vorbeugende Maßnahmen. In Schulungen können Betroffene oder Angehörige praktische Fertigkeiten erwerben, etwa das korrekte Auftragen von Hautpflegeprodukten oder die Beobachtung von Hautveränderungen.
Beratungsgespräche helfen, individuelle Entscheidungen zu treffen. Beispielsweise bei Unsicherheiten zum Umgang mit Inkontinenzmaterialien oder bei trockener Haut. Wichtig ist, dass Sie die Inhalte an den Bedarf der betroffenen Person anpassen und diese in verständlicher Sprache vermitteln.
Auswahl von Hautpflegeprodukten
Die Wahl geeigneter Produkte richtet sich nach Hautzustand und Ziel der Pflege. Entscheidende Parameter sind pH-Wert, Viskosität und Emulsionstyp.
Der natürliche pH-Wert der Haut liegt zwischen 4,5 und 6. Reinigungsprodukte sollten daher leicht sauer sein, um den Säureschutzmantel zu erhalten. Alkalische Seifen mit pH-Werten über 7 sind für empfindliche oder vorgeschädigte Haut ungeeignet (DNQP 2023: 35).
Hydrophile Lotionen (Öl-in-Wasser-Emulsionen) ziehen schnell ein und kühlen, sie eignen sich für normale oder feucht-fette Haut. Lipophile Cremes (Wasser-in-Öl-Emulsionen) wirken wasserabweisend und schützen trockene, empfindliche Haut. Sie sollten dünn aufgetragen werden, um Wärmestau zu vermeiden.
Nach jeder Reinigung wird die Verwendung eines Hautpflegemittels empfohlen, um den Feuchtigkeitsverlust auszugleichen. In der Langzeitpflege entscheiden die Pflegebedürftigen selbst über den Produktkauf; Sie als Pflegefachpersonen beraten hierzu neutral und bedarfsorientiert.
Pflegerische Maßnahmen bei häufigen Hautproblemen
Inkontinenz-assoziierte Dermatitis (IAD):
Schützen Sie die Haut durch häufiges Wechseln der Inkontinenzmaterialien, lauwarme Reinigung und dünn aufgetragene Hautschutzprodukte. Zinkpasten sollten Sie nur kurzfristig anwenden, da sie die Beobachtung der Haut erschweren (DNQP 2023: 37–38).
Intertrigo:
Achten Sie auf eine schonende Reinigung, vollständiges Trocknen der Hautfalten und vermeiden Sie Haut-auf-Haut-Kontakt. Textilien oder Vliestücher können Reibung verhindern. Bei Pilzbefall sollten Sie keine Hautschutzprodukte auftragen (DNQP 2023: 39).
Skin Tears:
Verwenden Sie lipophile Pflegeprodukte regelmäßig, vermeiden Sie klebende Fixierungen, verwenden Sie silikonbeschichtete Verbandmittel und achten Sie auf eine sorgfältige Sturzprophylaxe. Kleidung, die Arme und Beine bedeckt, bietet zusätzlichen Schutz (LeBlanc et al. 2017; WundDACH 2022).
Xerosis cutis:
Achten Sie hierbei auf eine sparsame Reinigung, die Verwendung lipophiler Pflegeprodukte mit Feuchthaltefaktoren wie Urea oder Laktat sowie die regelmäßige Anwendung dieser, insbesondere nach dem Ausziehen von Kompressionsstrümpfen. Bei Diabetes mellitus sollte eine tägliche Hautkontrolle vorgenommen und auf sorgfältiges Abtrocknen der Zehenzwischenräume geachtet werden (DNQP 2023: 36–37).
Ausschnitt aus dem Kurs „Expertenstandard Erhaltung und Förderung der Hautintegrität“
Evaluation und Dokumentation
Überprüfen Sie die Wirksamkeit der Maßnahmen in festgelegten Zeitabständen. Dabei werden Hautzustand und subjektive Symptome mit den Ausgangsbefunden verglichen. Bleibt ein Ziel unerreicht, muss der Maßnahmenplan angepasst werden.
Zur Evaluation gehört die Beantwortung zentraler Fragen:
- Wurden die vereinbarten Ziele erreicht?
- Hat sich die Hautintegrität verbessert?
- Wie reagiert die betroffene Person auf die Maßnahmen?
Diese Ergebnisse dokumentieren Sie und besprechen diese im Team.
Fachliche Verantwortung der Pflege
Sie als Pflegefachpersonen sind verantwortlich für die Einschätzung, Planung und Durchführung hautbezogener Pflegemaßnahmen. Sie erkennen die Risikofaktoren und entsprechende Maßnahmen, erklären diese den Betroffenen und leiten bei entsprechenden Indikationen notwendige Schritte ein. Ihr Fachwissen über Produkte, Hautphysiologie und Prävention ist die Voraussetzung für eine sichere Versorgung.
Ausschnitt aus dem E-Learning-Kurs „Expertenstandard Erhaltung und Förderung der Hautintegrität“
Fazit
Der Expertenstandard Hautintegrität bietet eine klare Struktur für die professionelle Hautpflege und fördert damit die Hautgesundheit in allen Pflegebereichen. Er unterstützt Pflegefachpersonen dabei, Risiken frühzeitig zu erkennen, Pflegeprozesse nachvollziehbar zu gestalten und die Hautgesundheit von Pflegebedürftigen langfristig zu sichern. Die Anwendung verbessert nicht nur Hautzustände, sondern trägt auch messbar zur Pflegequalität bei.
Wie kann Relias Ihnen dabei helfen, die Hautintegrität professionell zu fördern?
Für die Umsetzung des Expertenstandards im Alltag empfiehlt sich der Relias-E-Learning-Kurs „Expertenstandard – Erhaltung und Förderung der Hautintegrität“. Der Kurs vermittelt die Inhalte praxisnah, veranschaulicht typische Pflegesituationen und bietet interaktive Übungen zu Einschätzung, Maßnahmenplanung und Evaluation. Damit können Pflegende ihr Wissen gezielt vertiefen und den Standard sicher in ihrer Einrichtung umsetzen.
Nach Abschluss des Kurses können Teilnehmende:
- Risiken für die Hautintegrität systematisch erkennen und bewerten,
- Pflegemaßnahmen gezielt planen und dokumentieren,
- Patient*innen und Angehörige zu Hautpflege und Prävention anleiten,
- Hautpflegeprodukte fachgerecht auswählen und anwenden,
- Maßnahmen reflektieren und bei Bedarf anpassen.
Besonderheiten des Kurses
Der Kurs wurde gemeinsam mit dem Pflegeexperten Norbert Kolbig entwickelt und basiert auf den aktuellen Empfehlungen des DNQP (2023). Interaktive Szenarien, Wissenstests und Fallbeispiele aus dem Pflegealltag helfen, das Gelernte direkt in der Praxis umzusetzen. Die Teilnehmenden begleiten beispielhaft Pflegefachpersonen bei der Einschätzung, Planung und Durchführung pflegerischer Maßnahmen zur Hautpflege – von der ersten Hautinspektion bis zur Evaluation.
Besonders hilfreich:
- Realitätsnahe Praxisbeispiele zu Inkontinenz-assoziierter Dermatitis, Intertrigo, Xerosis cutis und Skin Tears
- Schritt-für-Schritt-Erklärungen zu Hautreinigung, Produktwahl und Dokumentation
- Interaktive Lernfragen und sofortiges Feedback
- Verständliche Visualisierungen und Fallarbeit mit typischen Risikokonstellationen
Für wen ist der Kurs geeignet?
Der Kurs richtet sich an Pflegefachpersonen in Krankenhäusern, ambulanten Pflegediensten und stationären Pflegeeinrichtungen, die ihre Kenntnisse in der professionellen Hautpflege vertiefen und den Expertenstandard sicher umsetzen möchten. Er eignet sich sowohl für erfahrene Pflegekräfte als auch für Mitarbeitende, die ihr Wissen im Rahmen regelmäßiger Schulungen auffrischen wollen.
Darüber hinaus bietet Relias zusätzlich spezifische Kursableger an, die konkret für die verschiedenen Settings konzipiert sind:
- Expertenstandard Erhaltung und Förderung der Hautintegrität in der stationären Pflege
- Expertenstandard Erhaltung und Förderung der Hautintegrität in der ambulanten Pflege
- Expertenstandard Förderung der Hautintegrität im Krankenhaus
Sie möchten mehr zu unserem Kurs-Angebot erfahren? Eine Übersicht unserer zahlreichen E-Learning-Kurse finden Sie hier.
Quellenverzeichnis
BfArM – Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (2022): ICD-11 in Deutsch – Entwurfsfassung, ICD-11 für Mortalitäts- und Morbiditätsstatistiken (MMS).
DNQP – Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (2023): Expertenstandard Erhaltung und Förderung der Hautintegrität in der Pflege. DNQP (Hrsg.).
LeBlanc, K. et al. (2017): Best practice recommendations for the prevention and management of skin tears. Wound Care Canada (Wounds Canada), S. 46.
WundDACH (2022): Informationsleitfaden: Einrisse fragiler Haut (Skin Tears). Ursachen und Auswirkungen – Best Practice Empfehlungen. Wien: WundDACH Deutsch-Österreichisch-Schweizerische Wundheilungsorganisation.


