Neues QS-Sepsis-Verfahren ab 2026: Was für Krankenhäuser jetzt wichtig wird

Inhaltsverzeichnis

Lesedauer: 5 Minuten

Sepsis – ein unterschätzter Notfall 

Sepsis ist und bleibt eine der größten Herausforderungen der modernen Medizin. Jährlich erkranken in Deutschland laut IQTIG rund 230.000 Menschen an Sepsis, etwa 50.000 davon an einem septischen Schock. Rund ein Drittel der Betroffenen überlebt die Erkrankung nicht (IQTIG 2022, S. 17; Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. 2025). Damit gehört Sepsis zu den häufigsten Todesursachen im Krankenhaus – oft mit vermeidbaren Verläufen. 

Genau hier setzt das neue Qualitätssicherungsverfahren Diagnostik und Therapie der Sepsis (QS Sepsis) an. Ab dem 1. Januar 2026 müssen alle Krankenhäuser, die gesetzlich versicherte erwachsene Sepsispatient*innen behandeln, am Verfahren teilnehmen. Das Ziel: die Qualität der stationären Sepsisversorgung sichtbar zu machen, zu verbessern und die Sterblichkeit sowie neu auftretende Morbiditäten von Patient*innen mit Sepsis zu reduzieren (IQTIG 2025).

Krankenhausflur mit 2 Pflegepersonen in PSA

Warum ein QS-Verfahren für Sepsis notwendig ist 

Sepsis ist eine komplexe und oft schwer zu erkennende Erkrankung. Symptome wie Fieber, Verwirrtheit oder niedriger Blutdruck werden leicht fehlinterpretiert. Jede Stunde, die bis zur richtigen Diagnose vergeht, kann die Überlebenschance drastisch senken. 

Das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) und der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) wollen mit dem neuen Verfahren erreichen, dass Sepsis in deutschen Krankenhäusern früher erkannt, schneller behandelt und systematisch dokumentiert wird. 

Das Verfahren basiert auf der „Richtlinie zur datengestützten, einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung (DeQS-RL)“ und ergänzt bestehende Standards um klare Indikatoren, Berichtspflichten und Fortbildungsvorgaben. Die zugrunde liegenden Beschlüsse wurden Ende 2024 gefasst und 2025 finalisiert (QiG BW 2025; IQTIG zitiert nach Sepsis Akademie 2025). 

Was sich seit 1. Januar 2026 geändert hat 

Mit dem Start des QS-Verfahrens Sepsis müssen Krankenhäuser Daten zu qualitätsrelevanten Aspekten zum Versorgungsprozess von Sepsisfällen erfassen und auswerten. Das betrifft unter anderem die Durchführung von Screenings zur Risikoabschätzung, das Vorhalten eines Antibiotic-Stewardship-Teams, aber auch die Schulung des medizinischen und pflegerischen Personals zur Erkennung, Risikoeinstufung und Therapie der Sepsis. 

Das betrifft alle nach § 108 SGB V zugelassenen Häuser, die gesetzlich versicherte Erwachsene mit Sepsis behandeln. Fachabteilungen sowie Schwerpunkte (gemäß § 2 Abs. 2 der Ergänzung der Themenspezifischen Bestimmungen des Verfahrens), die keine oder nur in Ausnahmefällen Sepsispatient*innen versorgen, sind ausgenommen (IQTIG 2025). 

Das Verfahren startet mit einer dreijährigen Übergangsphase (Erfassungsjahre 2026–2028). In dieser Zeit werden Daten erhoben und überprüft. Für das erste Erfassungsjahr 2026 ist außerdem die einrichtungsbezogene Veröffentlichung der Ergebnisse zum QS-Verfahren Sepsis ausgesetzt. Sanktionen bei unvollständiger Datenerhebung sind vorerst nicht vorgesehen. Das IQTIG nutzt die Übergangszeit, um das Verfahren zu erproben und ggf. zu optimieren. 

Ziele und Nutzen des neuen Verfahrens 

Das Verfahren verfolgt klare Ziele: 

  • Bessere Ergebnisqualität: Senkung der Sepsis-Sterblichkeit und Folgeschäden. 
  • Frühzeitige Diagnostik: Standardisierte Verfahren und Screening-Instrumente. 
  • Einheitliche Behandlungspfade: Strukturiertes Vorgehen von Aufnahme bis Entlassung. 
  • Kontinuierliche Qualitätsentwicklung: Feedback- und Berichtssysteme zur Prozessverbesserung. 

Konkret werden drei Ebenen der Qualität betrachtet: 

  1. Strukturqualität – Welche Voraussetzungen bestehen in der Einrichtung? 
  2. Prozessqualität – Wie gut werden Diagnose- und Therapieschritte umgesetzt? 
  3. Ergebnisqualität – Welche Patient*innenergebnisse werden erzielt? 

(IQTIG zitiert nach Sepsis Akademie 2025, S. 15ff.) 

Wie das Verfahren aufgebaut ist 

Das QS-Verfahren kombiniert verschiedene Datenquellen: 

  • Fallbezogene Dokumentation (SEP): Informationen zur Behandlung einzelner Sepsisfälle, z. B. Zeitpunkt der Diagnosestellung oder Therapie. 
  • Einrichtungsbezogene Dokumentation (SEPE): Angaben zu Strukturen, Schulungen und Prozessen innerhalb des Krankenhauses. 
  • Sozialdaten (SEPS): Auswertungen der Sozialdaten bei den Krankenkassen, um Langzeitergebnisse wie Sterblichkeit oder Folgemorbidität zu erfassen. 

Die Qualitätsindikatoren sind so definiert, dass sie den gesamten Versorgungsprozess abbilden – von der Prävention über Diagnostik und Therapie bis zur Nachsorge (IQTIG zitiert nach Sepsis Akademie 2025, S. 15 ff.). 

Worauf Krankenhäuser künftig besonders achten müssen 

Das QS-Verfahren verpflichtet Krankenhäuser, Prozesse zur Sepsisversorgung messbar zu machen. Dazu zählen unter anderem: 

  • Screening bei Infektionsverdacht: Mindestens 90 % der relevanten Fälle sollen mit standardisierten Instrumenten gescreent werden. 
  • Blutkulturen vor Antibiotikagabe: In 95 % der Fälle müssen vor Beginn der Therapie Blutkulturen entnommen werden. 
  • Fortbildung und Schulung: Mindestens 80 % des ärztlichen und pflegerischen Personals müssen jährlich zur Erkennung, Risikoeinstufung und Therapie von Sepsis geschult werden. 
  • ZVK-Management: Schulungen des Pflegefachpersonals zur Pflege zentralvenöser Katheter und Audits zur Infektionsprävention unter Leitung von Hygienefachpersonen. 
  • Antibiotic-Stewardship (ABS): Aufbau interdisziplinärer Teams, internen Leitlinien und regelmäßiger ABS-Visiten bei Sepsispatient*innen. 
  • Standard Operating Procedures (SOP): Klare Handlungsanweisungen zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Sepsispatient*innen. 

(Auszug aus IQTIG zitiert nach Sepsis Akademie 2025, S. 20–30) 

Schulungspflichten – ein Schlüssel zur Qualität 

Die neue Richtlinie macht klar: Fortbildung ist keine Option, sondern Voraussetzung für Qualität. 

Das IQTIG nennt Schulungen zur Erkennung, Risikoeinstufung und Therapie von Sepsis ausdrücklich als Bestandteil der Strukturqualität. Auch Schulungen des Pflegefachpersonals zur Pflege von zentralen Venenkathetern (ZVKs) sind vorgesehen. 

In der aktuellen Spezifikationsauslegung wird betont, dass E-Learning-Formate zulässig sind, sofern sie die geforderten Inhalte abbilden. Für bestimmte Themen – insbesondere der ZVK-Pflege – kann zusätzlich ein praktischer Anteil erforderlich sein (IQTIG zitiert nach Sepsis Akademie 2025, S. 25 f.). 

Wie Relias Einrichtungen bei QS Sepsis unterstützt 

Relias begleitet Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen auf dem Weg zur erfolgreichen Umsetzung des neuen Verfahrens mit einem umfassenden Lernangebot. Bereits zum Stichtag 1. Januar 2026 stehen passende E-Learning-Kurse auf der Plattform bereit, die den Anforderungen der QS Sepsis entsprechen.

1. E-Learning-Kurs: Sepsis im Krankenhaus – vermeiden, erkennen und behandeln

Der Kurs vermittelt praxisnahes Wissen zur Vermeidung, Früherkennung und Behandlung von Sepsis. Er wurde inhaltlich erweitert und an die Vorgaben des QS-Verfahrens angepasst. Pflegende und Ärzt*innen lernen, wie sie sowohl bei neu aufgenommenen Personen mit Sepsisverdacht als auch bei hospitalisierten Patient*innen, die eine Sepsis entwickeln, schnell und sicher handeln. 

Titelbild des Relias Kurses "Zentralvenöse Katheter" mit Titel auf türkisem Hintergrund, dahinter verschwommen das Bild einer Patientin im Krankenhausbett

2. E-Learning-Kurs: Zentralvenöse Katheter 

Dieser Kurs deckt die theoretischen Grundlagen der ZVK-Pflege ab und unterstützt Lernende so dabei, das Risiko für katheterassoziierte Infektionen zu reduzieren. Dabei wird Wissen zum Umgang mit den verschiedenen Kathetertypen vermittelt. Der Kurs kann den theoretischen Anteil der Schulungspflicht erfüllen und bereitet effizient auf eventuelle Praxistrainings vor. 

Titelbild eines der 6 Lernvideos des Aktionsbündnisses Patientensicherheit e.V. zu Sepsis

3. Videoreihe: Deutschland erkennt Sepsis 

In Kooperation mit dem Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V. stellt Relias eine Reihe von 6 Lehrvideos bereit, die Sepsis aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten – von Risikofaktoren über Prävention bis zur Nachsorge. 

Darüber hinaus entwickelt Relias derzeit einen E-Learningkurs spezialisiert für ärztliches Personal, der vertiefte Therapieaspekte abbildet und voraussichtlich im ersten Quartal 2026 erscheint. 

Warum digitale Lernformate jetzt entscheidend sind 

Digitale Schulungen ermöglichen es, Wissen flexibel und flächendeckend zu vermitteln, was ein entscheidender Vorteil ist in Zeiten von Personalmangel und hoher Arbeitsbelastung. 

Relias bietet dafür nicht nur aktuelle Lerninhalte, sondern auch automatisierte Nachweisfunktionen. So lassen sich Schulungsquoten reporten und Teilnahmebestätigungen dokumentieren – ein klarer Vorteil für die QS-Dokumentation. 

Damit erfüllen Einrichtungen nicht nur ihre gesetzlichen Anforderungen in Bezug auf Fortbildungspflichten, sondern fördern gleichzeitig die Patient*innensicherheit und das klinische Risikomanagement. 

Fazit: Jetzt handeln und vorbereitet sein 

Der Start des QS-Verfahrens Sepsis am 1. Januar 2026 ist ein Meilenstein für die Sicherheit von Patient*innen in Deutschland. Das Verfahren macht Qualität messbar und transparent und stärkt die Handlungssicherheit von Ärzt*innen und Pflegenden. 

Krankenhäuser müssen nun Prozesse anpassen und Fortbildungsstrategien implementieren. Relias unterstützt Sie dabei mit praxisnahen E-Learnings, Videoinhalten und automatisierten Nachweisen – damit Ihre Einrichtung vorbereitet ist. 

 

Sie möchten mehr zu unserem Kurs-Angebot erfahren? Eine Übersicht unserer zahlreichen E-Learning-Kurse finden Sie hier. 

FAQ

Häufige Fragen zur neuen QS Sepsis

Wann startet das QS-Verfahren und wer ist betroffen?

Ab dem 1. Januar 2026 müssen alle Krankenhäuser, die gesetzlich versicherte erwachsene Sepsispatient*innen behandeln, am Verfahren teilnehmen (IQTIG 2025).

Fall- und einrichtungsbezogene Daten sowie ergänzende Sozialdaten der Krankenkassen.

Zur Erkennung, Risikoeinstufung und Therapie von Sepsis sowie zur Pflege zentralvenöser Katheter.

Ja, E-Learning-Formate sind ausdrücklich zulässig (IQTIG 2025). Für den Umgang mit Zentralvenösen Kathetern kann ein praktischer Anteil notwendig sein.

Mit E-Learning-Kursen zu Sepsis-Themen und Nachweisfunktionen für Fortbildungsteilnahmen.

Quellenverzeichnis 

Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V. (2024): Deutschland erkennt Sepsis. https://www.deutschland-erkennt-sepsis.de/ 

IQTIG (2022): Entwicklung eines Qualitätssicherungsverfahrens „Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Sepsis“. Abschlussbericht. 

IQTIG (2025): Neues Verfahren QS Sepsis startet am 1. Januar 2026 in den Regelbetrieb. Berlin. 

QiG BW (2025): QS-Verfahren Diagnostik und Therapie der Sepsis (Verfahren 20). Stuttgart.

Sepsis Akademie (2025): QS-Verfahren Diagnostik und Therapie der Sepsis – Ab 2026 Pflicht. Präsentation Stefanie Erckenbrecht.  

hatte ursprünglich einen Hintergrund in der Berliner Justiz, bevor sie sich ihrer Leidenschaft für Sprachen, Texte und Medien folgend für ein Studium der Anglistik und Medienwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin entschied. Die im Studium – insbesondere unter den pandemiebedingten Bedingungen – gewonnenen Einblicke weckten ihr nachhaltiges Interesse an E-Learning und digitalen Lernformaten. Anfang 2022 wurde sie Teil des Relias-Teams und ist heute mittlerweile als QA & Communications Manager tätig. In dieser Rolle verbindet sie Qualitätssicherung mit redaktioneller, kommunikativer und koordinierender Arbeit an Inhalten und Prozessen.
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