In 2026 findet der Internationale Tag der Epilepsie am 09. Februar statt.
Epilepsie betrifft in Deutschland etwa 500.000 bis 800.000 Menschen. Dennoch herrscht im Gesundheits- und Sozialwesen oft Unsicherheit im Umgang mit Betroffenen. Fachpersonen der Bereiche Medizin, Pflege, Therapie, Pädagogik und Sozialarbeit stehen vor wichtigen Fragen: Wie erkenne ich verschiedene Anfallsformen? Was tue ich in einer Notfallsituation? Wie kann ich Menschen mit Epilepsie im Alltag bestmöglich unterstützen?
Fundiertes Wissen über Epilepsie ist nicht nur medizinisch relevant. Es schafft Vertrauen, baut Vorurteile ab und ermöglicht eine würdevolle, professionelle Begleitung. Denn Menschen mit Epilepsie benötigen vor allem eines: einen informierten, empathischen Umgang, der ihre Teilhabe stärkt, anstatt sie einzuschränken.
Das subjektive Erleben epileptischer Anfälle
Jeder epileptische Anfall ist eine individuelle, oft belastende Erfahrung, die weit über das medizinische Geschehen hinausgeht. Einige Betroffene nehmen Vorzeichen wahr: eine sogenannte Aura mit Déjà-vu-Erlebnissen, aufsteigenden Gefühlen im Bauch oder ungewöhnlichen Sinneswahrnehmungen. Andere erleben einen plötzlichen Bewusstseinsverlust ohne Vorwarnung.
Besonders herausfordernd ist: Viele Menschen können sich an den Anfall selbst nicht erinnern und sind auf die Schilderungen anderer angewiesen. Das kann verunsichernd sein, vor allem, wenn Außenstehende unangemessen reagieren oder den Anfall missverstehen. Miriam König, 35 Jahre alt und seit ihrer Jugend von fokaler Epilepsie betroffen, beschreibt es so: „Es ist, als würde jemand in meinem Kopf das Licht ausknipsen. Ich bin kurz weg – dann wieder da, aber nicht ganz ich selbst.“
Diese individuelle Erfahrung macht deutlich: Fachkräfte, die das subjektive Erleben verstehen, können Betroffenen mit der nötigen Sensibilität begegnen und Vertrauen aufbauen.
Anfallsformen erkennen: fokale und generalisierte Anfälle unterscheiden
Nicht alle epileptischen Anfälle sind gleich. Die moderne Epileptologie unterscheidet hauptsächlich zwischen fokalen und generalisierten Anfällen – eine Unterscheidung, die für die richtige Einschätzung und Hilfestellung entscheidend ist.
Fokale Anfälle entstehen in einem begrenzten Hirnareal und können sich sehr unterschiedlich äußern: ungewöhnliche Sinneswahrnehmungen, unwillkürliche Bewegungen wie Nesteln an der Kleidung, vorübergehende Bewusstseinsstörungen oder ein starrer Blick kennzeichnen sie. Generalisierte Anfälle hingegen betreffen von Beginn an das gesamte Gehirn. Absencen zeigen sich als kurze Bewusstseinspausen, tonisch-klonische Anfälle als klassische Krampfanfälle mit Sturz, Bewusstseinsverlust, Muskelanspannung und rhythmischen Zuckungen.
Diese Unterscheidung ist nicht nur medizinisch relevant. Sie hilft Fachkräften dabei, angemessen zu reagieren und die Situation richtig einzuschätzen.
Erste Hilfe bei epileptischen Anfällen: sicher und besonnen handeln
Die Beobachtung eines epileptischen Anfalls kann beunruhigend sein. Mit klaren Handlungsschritten können Sie jedoch effektiv helfen:
- Ruhe bewahren und die Situation überblicken
- Gefahrenquellen entfernen (Möbel wegrücken, scharfe Gegenstände beseitigen)
- etwas Weiches unter den Kopf legen zum Schutz vor Verletzungen
- enge Kleidung lockern, besonders im Halsbereich
- Atemwege freihalten, bei Bedarf in stabile Seitenlage bringen
Wichtig: Niemals die betroffene Person festhalten oder etwas in den Mund stecken. Das kann zu Verletzungen führen.
Den Rettungsdienst rufen sollten Sie bei:
- Anfällen, die länger als 5 Minuten dauern
- erstmaligen Anfällen ohne bekannte Epilepsie
- schweren Verletzungen oder Atemwegsproblemen
Alltägliche Herausforderungen: Wenn Epilepsie das Leben prägt
Menschen mit Epilepsie leben oft in einem Spannungsfeld zwischen medizinischen Notwendigkeiten und gesellschaftlichen Barrieren. Miriam König kennt das aus eigener Erfahrung: „Ich brauche einen klar strukturierten Tagesablauf. Wenn ich zu wenig schlafe oder gestresst bin, steigt das Risiko für Anfälle. Man sieht mir das nicht an, aber ich sorge jeden Tag für einen Plan B.”
Diese „unsichtbaren“ Belastungen betreffen verschiedene Lebensbereiche:
- Berufsleben: Vorsichtsmaßnahmen bei der Arbeitsplatzgestaltung, mögliche Einschränkungen bei bestimmten Tätigkeiten
- Mobilität: individuelle Bewertung der Fahrtauglichkeit je nach Anfallstyp und -häufigkeit
- Soziale Teilhabe: Entscheidung, wann und wem die Epilepsie offenbart wird
Wichtig zu wissen: Viele vermeintliche Einschränkungen sind nicht medizinisch begründet. Nur etwa 5 % der Menschen mit Epilepsie haben eine fotosensitive Epilepsie, dennoch wird oft pauschal von Bildschirmarbeit abgeraten.
Professionelle Fachpersonen können entscheidend dazu beitragen, diese Hürden abzubauen, durch fundiertes Wissen, Schulungen und individuelle Unterstützungsangebote.
Wie Relias Ihnen dabei helfen kann, Menschen mit Epilepsie professionell zu begleiten
Unser E-Learning-Kurs „Epilepsie verstehen – Grundlagen für die professionelle Begleitung“ wurde speziell für Fachkräfte im Gesundheits- und Sozialwesen entwickelt. In 0,5 Lernstunden erwerben Sie fundiertes Wissen und praktische Handlungskompetenz für den Berufsalltag.
Lernziele im Überblick
Nach der Bearbeitung des Kurses sollten Sie folgendes können:
- subjektives Erleben epileptischer Anfälle nachvollziehen
- Ursachen, Anfallsformen und Ausprägungen der Epilepsie benennen
- Sicherheit in akuten Anfallssituationen gewinnen und angemessen reagieren
- Lebensbereiche identifizieren, in denen Epilepsie zu Beeinträchtigungen führt
- geeignete Ansprechpersonen und Unterstützungsangebote empfehlen
Für wen ist der Kurs geeignet?
Dieser Kurs eignet sich für alle Fachpersonen, die Menschen mit Epilepsie begleiten:
- Pflegepersonal in stationären und ambulanten Einrichtungen
- Pädagog*innen in Kinder- und Jugendhilfe, Schulen und Bildungseinrichtungen
- Therapeut*innen verschiedener Fachrichtungen
- Sozialarbeiter*innen und Psycholog*innen
- Medizinisches Personal in Arztpraxen und Kliniken
Besonderheiten des Kurses
Der Kurs zeichnet sich durch seine praxisnahe Gestaltung aus:
- authentisches Fallbeispiel: Die Geschichte von Miriam König begleitet Sie durch den gesamten Kurs
- interaktive Lernelemente: Kartensets, Reflexionsaufgaben und realitätsnahe Übungen
- wissenschaftlich fundiert unter der Mitwirkung von ausgewiesenen Fachexpert*innen
- kurze Lernzeit: In nur 30 Minuten zum Ziel
Mit fundiertem Wissen schaffen Sie die Grundlage für eine professionelle, empathische Begleitung von Menschen mit Epilepsie. Starten Sie noch heute und stärken Sie Ihre Handlungssicherheit für den Berufsalltag.
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Quellenverzeichnis
Deutsche Epilepsievereinigung e.V. (Hrsg., 2024): Erste Hilfe [online, zuletzt abgerufen 05.06.2025].
Deutsche Epilepsievereinigung e.V. (Hrsg., 2025): Leben mit Epilepsie. [online, zuletzt abgerufen 06.06.2025].
DGfE – Deutsche Gesellschaft für Epileptologie e.V. (2025a): Organisationen. [online, zuletzt abgerufen am 06.06.2025].
DGfE – Deutsche Gesellschaft für Epileptologie e.V. (2025b): Schulungsprogramme & -material. [online, zuletzt abgerufen am 06.08.2025].
DGN –Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg., 2023): Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter. Entwicklungsstufe: S2k. Berlin.
LMU Klinikum (Hrsg., 2025): Epilepsie. [online, zuletzt abgerufen 28.05.2025].
Malteser Hilfsdienst e.V. (Hrsg., 2025): Wenn es im Gehirn gewittert – Erste Hilfe bei epileptischen Anfällen [online, zuletzt abgerufen am 05.06.2025].
Universitätsklinikum Freiburg (Hrsg., 2024): Angstformen bei Menschen mit Epilepsie. Informationen zu deren Ursachen, Dynamik und Charakter sowie Hinweise zu deren Bewältigung und Therapie. Verfasst für Betroffene und Angehörige [online, zuletzt abgerufen am 28.05.2025].