Wechseljahre am Arbeitsplatz: Was sich ändern sollte und was Sie als Führungskraft dafür tun können

Inhaltsverzeichnis

Lesedauer: 5 Minuten

Am 08. März feiern wir internationalen Frauentag!

Für Frauen beginnt in der Mitte des Lebens ein stiller Wechsel. Ihr Körper verändert sich – mal deutlich spürbar, mal kaum zu merken. Doch während Hitzewallungen, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Erschöpfung und andere Beschwerden das Leben stark beeinflussen können, wird über die Wechseljahre in der Öffentlichkeit noch kaum gesprochen, erst recht nicht im Job.

Obwohl sich rund 9 Millionen Frauen in Deutschland aktuell im typischen Alter der Wechseljahre befinden (BVF 2024), fehlen nach wie vor unterstützende Strukturen am Arbeitsplatz. In der Pflege, wo über 80 % der Beschäftigten Frauen sind (vgl. Bayerisches Landesamt für Pflege 2023), bedeutet das: betroffene Frauen arbeiten unter Bedingungen, die nicht auf sie abgestimmt sind, und schweigen darüber oft aus guten Gründen:

Weil sie nicht schwach wirken wollen.

Weil es peinlich ist.

Weil sie gelernt haben, sich anzupassen.

Frau in Pflegekleidung lehnt an einer Wand und blickt nachdenklich zur Seite.

Wechseljahre sind kein Randthema

Frauen in der Lebensmitte tragen unsere Versorgungssysteme. Viele sind erfahren, engagiert, fachlich stark. Doch ihre Alltagsrealität sieht oft so aus:

„Ich schlafe kaum noch, bin gereizt und mein Kopf fühlt sich wie Watte an. Aber ich versuche, mich zusammenzureißen.“

Zwei Drittel aller Frauen dieser Altersgruppe berichten, dass Wechseljahresbeschwerden ihre Lebensqualität einschränken.

Jede dritte berufstätige Frau antwortete in einer Online-Befragung, dass sie sich wegen Wechseljahresbeschwerden bereits krankschreiben lassen oder die Arbeitszeit reduziert habe.

Jede Zehnte zieht in Erwägung, früher in Rente zu gehen. 

(vgl. Stute et al. 2022; HWR Berlin 2024)

Für viele ist das kein freier Entschluss, sondern das Resultat fehlender Unterstützung. Auch, weil das Thema gesellschaftlich noch immer als „Privatsache“ bagatellisiert wird.

Wer nicht handelt, verliert: Erfahrung, Expertise und Vertrauen

Gerade im Gesundheitswesen, das ohnehin unter Personalmangel leidet, ist das fatal:
Wenn Frauen in den Wechseljahren sich zurückziehen, kündigen oder dauerhaft ausfallen, verliert die Einrichtung nicht nur Personal, sie verliert Kompetenz und Kontinuität.

Und sie verliert Vertrauen. Denn wenn Beschwerden unausgesprochen bleiben, wachsen Missverständnisse im Team:

  • „Sie ist nicht motiviert.“
  • „Sie drückt sich vor bestimmten Aufgaben.“
  • „Schon wieder eine Pause?“

 

Das ist nicht nur ungerecht, es führt zu Überlastung, Konflikten und einem Arbeitsklima, das Frauen entmutigt, ihre Bedürfnisse überhaupt zu äußern.

Person in Pflegekleidung fasst sich an die Stirn und blickt nach unten.

Arbeitsbedingungen anzupassen, ist eine Führungsaufgabe

Was können Führungskräfte tun?

Sie können viel tun, auch ohne medizinisches Wissen über Wechseljahresbeschwerden.

Es beginnt mit Zuhören und mit der Haltung, dass Gesundheit mehr ist als Leistungsfähigkeit.

Führung bedeutet …

  • Veränderungen wahrnehmen,
  • Gespräche ermöglichen,
  • Rahmenbedingungen anpassen, ohne zu werten.

Ein gutes Gespräch beginnt nicht mit einer Diagnose, sondern mit einer Beobachtung:

„Mir ist aufgefallen, dass Sie in letzter Zeit erschöpft wirken. Wenn Sie möchten, können wir gemeinsam schauen, was helfen könnte.“

Das ist kein Eingriff ins Private, sondern Führungsverantwortung.

Anpassungen mit Wirkung

Wer denkt, Wechseljahre erfordern große Programme, irrt sich. Viele Frauen sagen klar, was hilft:

  • Rückzugsorte, individuelle Arbeitszeiten- und Pausenregelungen, flexible Schichtdienste
  • angepasstes Raumklima und verlässliche Ruhezonen für konzentriertes Arbeiten
  • eine Gesprächskultur, die nicht beschämt, sondern stärkt

All das und weitere Ideen sind machbare, praxistaugliche Maßnahmen, wenn Führungskräfte bereit sind, hinzusehen und Arbeitsbedingungen anzupassen.

Führung bedeutet auch, Kultur zu gestalten

Ein Tabu lässt sich nicht mit Fachwissen brechen, sondern mit Kultur und einer Haltung, die sagt: Vielfalt ist Normalität. Und Veränderung gehört zum Leben.

Dazu gehört es auch, über Belastungen sprechen zu dürfen, ohne Scham, ohne sich rechtfertigen zu müssen.

Führungskräfte haben die Möglichkeit, ein solches Klima zu prägen. Indem sie …

  • Altersvielfalt bewusst in ihrer Teamführung und in Planungen berücksichtigen.
  • Flexibilität nicht als Privileg Einzelner, sondern als Teil einer gemeinsamen Kultur verstehen.
  • für Themen wie Wechseljahre, Gesundheit und Selbstfürsorge den Raum öffnen, ohne sie zu problematisieren.

Niemand muss die Wechseljahre in der Teamsitzung thematisieren. Es hilft, wenn sie nicht als Störung, sondern als Teil des Arbeitslebens verstanden und behandelt werden.

Was viele Frauen sich wünschen und selten sagen

Im Rahmen einer Studie wurden über 2000 Frauen nach ihren Bedürfnissen gefragt (vgl. HWR Berlin 2024). Viele wünschten sich konkrete Unterstützung von der verantwortlichen Führungskraft.

Diese Aussagen geben die Stimmen der Befragten wieder:

„Ich wünschte, jemand hätte am Arbeitsplatz einfach gefragt: Brauchst du was?“

„Ich hätte gern gewusst, dass ich nicht die einzige betroffene Kollegin bin.“

„Wenn man mir angeboten hätte, eine Zeit lang andere Dienste zu übernehmen, hätte ich nicht gleich ans Aufhören gedacht.“

Solche Stimmen zeigen: Wer hinhört, erkennt und kann handeln. Wer reagiert, schafft Bindung und stärkt sein Team.

Ärztliches Personal und Pflegepersonal sitzen gemeinsam an einem Tisch im Gespräch.

Unser Beitrag: Ein neuer Online-Kurs für Führungskräfte

Relias hat gemeinsam mit Expertinnen aus Medizin und Pädagogik einen Kurs entwickelt, der genau dort ansetzt, wo Veränderung im Team beginnt: bei der Führungskraft.

Der 30-minütige Online-Kurs „Wechseljahre am Arbeitsplatz“ ist ein Relias-Kurs für Führungskräfte in der Pflege und im Krankenhaus. Er ist interaktiv und praxisnah gestaltet.

Mit den vermittelten Kompetenzen können Lernende im Anschluss an den Kurs …

  1. einschätzen, wie Wechseljahresbeschwerden die Arbeitsfähigkeit beeinflussen können.
  2. ein sensibles, sachliches Gespräch mit betroffenen Mitarbeiterinnen führen.
  3. individuelle Angebote und Anpassungen der Arbeitsbedingungen situativ auswählen.
  4. organisatorische Maßnahmen für ein gesundheitsförderliches Arbeitsumfeld nennen.
Auf einen Blick

Was bietet der Kurs "Wechseljahre im Team"?

Wissen

Was passiert in den Wechseljahren? Welche Symptome wirken sich auf den Arbeitsalltag aus?

Wie führe ich ein wertschätzendes, sachliches Gespräch, ohne übergriffig zu werden?

Welche individuellen, teambezogenen und strukturellen Maßnahmen kann ich einsetzen?

Was darf ich fragen, was nicht? Was muss ich als Führungskraft wissen?

Wie gestalte ich eine altersfreundliche Führungskultur?

Er ist speziell für Führungskräfte mit Personalverantwortung in ambulanten und stationären Einrichtungen sowie Kliniken konzipiert und auch für Einsteigende in diese Rolle geeignet. Ein Gesprächsleitfaden steht für Sie zum Download und zur praktischen Verwendung bereit.

Sie möchten mehr zu unserem Kurs-Angebot erfahren? Eine Übersicht unserer zahlreichen E-Learning-Kurse finden Sie hier.

Zum Internationalen Frauentag am 08. März: Lasst uns laut über das sprechen, was viele still mit sich ausmachen

Fünf Damen mittleren Alters in Einzelporträts vor pastellfarbenen Hintergründen, unterschiedliche Gesten und Kleidung.

Wechseljahre sind kein alleiniges Frauenthema. Sie sind ein Arbeitsthema, ein Führungsthema, ein Gleichstellungsthema und ein Thema für den Internationalen Frauentag.

Denn solange Frauen auf natürliche körperliche Veränderungen mit Rückzug oder Jobwechsel reagieren müssen, ist Gleichstellung im Arbeitsleben noch nicht erreicht.

Wer heute handelt, sorgt dafür, dass ältere Pflegefachpersonen im Arbeitsleben bleiben, und dass Frauen nicht mehr schweigen, wenn sie von Wechseljahresbeschwerden betroffen sind.

Quellenverzeichnis

  • Bayerisches Landesamt für Pflege (2023): Frauen sind in Gesundheits- und Pflegeberufen die tragende Säule unserer Gesellschaft! PM 86 / 2023 PPB [online, abgerufen am 21.01.2026].
  • BVF – Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. (Hrsg.) (2024): Deutsche Menopause Gesellschaft empfiehlt individuelle Aufklärung und Beratung rund um Hormonersatztherapie, in: Frauenärzte im Netz [online, zuletzt abgerufen am 09.01.2026].
  • CIPD – Chartered Institute of Personnel and Development (2023): Menopause at work: Guide for people managers [online, zuletzt abgerufen am 16.01.2026].
  • HWR Berlin – Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (Hrsg.) (2024): Forschungsprojekt MenoSupport: Ergebnisse der ersten deutschlandweiten Befragung zum Thema Wechseljahre am Arbeitsplatz [online, zuletzt abgerufen am 09.01.2026].
  • IQWiG – Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (Hrsg.) (2023): Wechseljahresbeschwerden [online, zuletzt abgerufen am 12.01.2026].
  • Stute, P./Eversheim, H./Ortius-Lechner, D. et al. (2022): Care reality of menopausal women in Germany: healthcare research using quantitative (SHI claims data) and qualitative (survey) data collection. Arch Gynecol Obstet 306, 513–521 (2022) [online, zuletzt abgerufen am 09.01.2026].
ist Diplom-Pädagogin mit dem Schwerpunkt Weiterbildung und als Fachautorin sowie SME-Writerin bei der Relias Learning GmbH tätig. Sie verfügt über langjährige Erfahrung als medizinische Fachangestellte sowie in der Kinder- und Jugendhilfe. Als Bildungsreferentin entwickelte sie ein Curriculum und digitale Lernkurse für sozialpädagogisches Personal im Arbeitsfeld Hilfen zur Erziehung. Heute liegt ihr pädagogischer Schwerpunkt in der didaktischen Konzeption und im Texten digitaler Lernangebote für Gesundheits- und Sozialberufe.
mehr weniger

Lassen Sie sich von uns beraten

Wir freuen uns auf Ihre Nachricht über [email protected] oder

Weitere interessante Beiträge