Parkinson verstehen: Symptome erkennen und Menschen im Alltag gezielt unterstützen

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Zittern gilt als typisches Zeichen von Parkinson. Doch im Alltag zeigt sich die Erkrankung vielfältiger: Eine Person bleibt beim Gehen plötzlich stehen. Das Aufstehen verursacht Schwindel. Gespräche werden mühsamer oder alltägliche Handgriffe benötigen mehr Zeit.

In Deutschland leben rund 400.000 Menschen mit Parkinson (vgl. DPG 2026). Wenn Sie Betroffene pflegen, betreuen oder begleiten, hilft Ihnen ein grundlegendes Verständnis dabei, solche Veränderungen richtig einzuordnen und die Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten.

Parkinson verstehen: Was hinter den Symptomen steckt

Die Parkinson-Krankheit ist eine chronisch fortschreitende neurodegenerative Erkrankung. Dabei werden unter anderem Nervenzellen in der Substantia nigra geschädigt. Sie produzieren den Botenstoff Dopamin, der für die Bewegungssteuerung wichtig ist. Nimmt die Dopaminproduktion ab, können Bewegungen langsamer, kleiner und weniger präzise werden (Ebersbach/Süß 2021: 13–15).

Typisch sind drei Kardinalsymptome: Bradykinese bezeichnet verlangsamte Bewegungen, Rigor eine Muskelsteifigkeit und Ruhetremor ein Zittern in Ruhe. 

Für Ihren Arbeitsalltag ist diese Einordnung wichtig. Wenn Anziehen, Essen oder Aufstehen länger dauern, steckt dahinter möglicherweise die eingeschränkte Bewegungssteuerung. Mehr Zeit zu geben, kann dann bereits eine wichtige Unterstützung sein. 

Parkinson beginnt zudem nicht zwingend mit sichtbaren Bewegungsstörungen. Ein verminderter Geruchssinn, chronische Verstopfung, Schlafstörungen oder depressive Beschwerden können den motorischen Symptomen um Jahre vorausgehen. Parkinson ist daher weit mehr als das bekannte Zittern. 

Freezing: Wenn die Bewegung plötzlich blockiert 

Eine Person möchte weitergehen, kann den nächsten Schritt aber plötzlich nicht ausführen. Dieses sogenannte Freezing kann sich anfühlen, als seien die Füße am Boden festgeklebt. Besonders in engen Räumen oder beim Drehen können solche Bewegungsblockaden auftreten. 

Freezing erhöht die Sturzgefahr. Hektik und Zeitdruck können die Situation zusätzlich erschweren. Vermitteln Sie deshalb Ruhe, geben Sie ausreichend Raum und vermeiden Sie schnelle Richtungswechsel. 

Gezielte Hinweisreize, sogenannte Cues, können helfen, die Bewegung wieder einzuleiten. Dazu gehören beispielsweise ruhiges Zählen, Klatschen oder klare verbale Anweisungen. Beim Wenden kann es helfen, größere Bewegungen anzuregen und die Person daran zu erinnern, die Füße bewusst anzuheben (Ebersbach/Süß 2021: 75–82). 

Welche Strategie funktioniert, ist individuell. Beobachten Sie deshalb, was der jeweiligen Person hilft. Bei ausgeprägtem Freezing, Schwindel oder unsicherem Gang sollten Sie zugleich für eine sichere Umgebung sorgen. 

Parkinson ist mehr als eine Bewegungsstörung 

Parkinson kann neben der Motorik zahlreiche weitere Bereiche beeinflussen. Dazu gehören unter anderem Kreislauf, Verdauung, Schlaf, Schmerzen, Kommunikation und psychisches Befinden (Geitz/Palesch 2025: 526). 

Ein Beispiel ist die orthostatische Hypotonie. Dabei fällt der Blutdruck beim Aufstehen plötzlich ab. Schwindel, Schwäche oder Schwarzwerden vor den Augen können die Folge sein – und damit ein erhöhtes Sturzrisiko. Langsames Aufstehen, ausreichendes Trinken und Bewegung können unterstützen (Parkinson Stiftung 2026a; Ebersbach/Süß 2021: 97–100). 

Auch Schlafprobleme können in unterschiedlichen Krankheitsphasen auftreten. Fragen Sie deshalb gezielt danach. Ein Schlafprotokoll kann helfen, Beschwerden und mögliche Ursachen systematischer zu erfassen (Parkinson Stiftung 2026b; Ebersbach/Süß 2021: 107–111). 

Nehmen Sie Depressionen und Ängste ernst. Sicherheit, verlässliche Abläufe und Gespräche auf Augenhöhe können Betroffene unterstützen (Ebersbach/Süß 2021: 115 f.). 

Im weiteren Verlauf können zudem kognitive Einschränkungen oder Halluzinationen auftreten. Vertraute Routinen und eine gemeinsame Tagesplanung können bei kognitiven Problemen Orientierung schaffen. Bei Halluzinationen sollten Sie ruhig reagieren, Sicherheit vermitteln und die Wahrnehmung wertfrei ansprechen. Achten Sie insbesondere auf Angst, Verwirrtheit oder Eigengefährdung und dokumentieren Sie Ihre Beobachtungen (Ebersbach/Süß 2021: 120–124). 

Für die Begleitung bedeutet das: Veränderungen im Verhalten, Schlaf oder Kreislauf können ebenso relevant sein wie ein stärker werdender Tremor.

Selbstständigkeit fördern statt vorschnell übernehmen 

Mit fortschreitender Erkrankung können alltägliche Tätigkeiten schwieriger werden. Unterstützung bedeutet jedoch nicht automatisch, Aufgaben abzunehmen. 

Kleine Hilfsmittel können vorhandene Fähigkeiten länger erhalten. Griffverdickungen für Stifte, Knöpfhilfen, elastische Schnürsenkel oder Besteck mit verdickten Griffen können alltägliche Tätigkeiten erleichtern (Ebersbach/Süß 2021: 72 f.). 

Auch bei der Kommunikation lohnt es sich, die Bedingungen anzupassen. Menschen mit Parkinson können sehr leise, monoton oder undeutlich sprechen. Geben Sie ausreichend Zeit und lassen Sie die Person ausreden. Auch eine reduzierte Mimik ist krankheitsbedingt und sollte nicht als Desinteresse interpretiert werden (Ebersbach/Süß 2021: 84–88). 

Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Medikamenteneinnahme. Parkinson-Medikamente werden häufig zu festgelegten Zeiten eingenommen. Bei Levodopa ist nach ärztlicher Vorgabe ein Abstand von 30 bis 60 Minuten zu eiweißreichen Mahlzeiten zu beachten. Halten Sie die angeordneten Einnahmezeiten ein und dokumentieren Sie Veränderungen der Beweglichkeit, Wirkschwankungen und mögliche Nebenwirkungen (DGN 2023; Ebersbach/Süß 2021: 33–47). 

Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie können ebenfalls helfen, Fähigkeiten zu erhalten. Für Ihre Begleitung ist es deshalb sinnvoll zu wissen, welche therapeutischen Strategien und Hilfsmittel sich in den Alltag übertragen lassen (IQWiG 2026b). 

Die entscheidende Frage lautet damit nicht: „Was kann ich der Person abnehmen?“, sondern: „Was braucht sie, damit sie möglichst viel selbst tun kann?“ 

Parkinson in Pflege und Betreuung: Wissen im Online-Kurs vertiefen 

Im Alltag müssen Sie immer wieder einschätzen, was hinter einer Veränderung steckt und welche Unterstützung angemessen ist. Der Relias-Online-Kurs „Parkinson verstehen“ richtet sich an Mitarbeitende im Gesundheits- und Sozialwesen, die Menschen mit Parkinson begleiten. An konkreten Fallbeispielen vertiefen Sie Ihr Krankheitsverständnis und übertragen das Wissen auf typische Situationen aus Pflege und Betreuung. 

Über die Themen dieses Artikels hinaus behandelt der Kurs die verschiedenen Krankheitsphasen und Therapieformen ausführlicher. Sie beschäftigen sich unter anderem mit Medikamenten und Wirkschwankungen, tiefer Hirnstimulation und Infusions-Pumpentherapien sowie mit Schluckstörungen, Sturzrisiken und vegetativen, kognitiven und psychischen Beschwerden. So vertiefen Sie nicht nur Ihr Wissen über Parkinson, sondern auch Ihre Handlungssicherheit im Alltag. 

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Quellenverzeichnis 

DGN – Deutsche Gesellschaft für Neurologie (2023): Höglinger G., Trenkwalder C. et al., Parkinson-Krankheit, S2k-Leitlinie, 2023, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online, zuletzt abgerufen am 29.05.2026. 

DPG – Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (2026): Morbus Parkinson: Hoffnung auf neue Therapien. Online, zuletzt abgerufen am 29.05.2026. 

Ebersbach, G./Süß, T. (2021): Pflege von Menschen mit Parkinson. Praxishandbuch für die häusliche und stationäre Versorgung. Kohlhammer Verlag, Stuttgart. 

Geitz, A./Palesch, A. (2025): Krankheiten von A–Z, in: Friedrichs, F. (Hrsg.): Leitfaden Ambulante Pflege, 6. Aufl., München: Elsevier. 

IQWiG – Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (2026b): Nicht medikamentöse Behandlung bei Parkinson-Krankheit. Online, zuletzt abgerufen am 29.05.2026. 

Parkinson Stiftung (2026a): Kreislaufprobleme bei Parkinson. Online, zuletzt abgerufen am 29.05.2026. 

Parkinson Stiftung (2026b): Parkinson und Schlaf; Broschüre „Endlich durchschlafen!“. Online, zuletzt abgerufen am 29.05.2026.

war als ausgebildete zahnmedizinische Fachangestellte in der Kieferchirurgie tätig. Nach ihrem Studium der Pädagogik/Bildungswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität war sie in verschiedenen sozialen Arbeitsfeldern tätig. Darunter der Elementarbereich, die Eingliederungshilfe sowie die Familienhilfe mit geflüchteten Menschen. In ihrer letzten Position übernahm sie die übergeordnete Gruppenleitung zweier inklusiver Wohngemeinschaften der Lebenshilfe. Derzeit ist sie Fachautorin bei Relias.
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