Personalisiert lernen statt unnötig wiederholen

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Lesedauer: 3 Minuten

Pflichtfortbildungen gehören zum Arbeitsalltag im Gesundheits- und Sozialwesen. Doch nicht alle Mitarbeitenden brauchen dieselben Lerninhalte. Personalisiertes Lernen berücksichtigt vorhandenes Wissen und kann Einrichtungen dabei unterstützen, Fortbildungszeit gezielter einzusetzen.

Zwei Mitarbeitende beginnen dieselbe Fortbildung zum Datenschutz. Die eine Person ist neu in der Einrichtung und braucht zunächst ausführliche Informationen. Die andere arbeitet seit vielen Jahren dort, hat schon mehrere Schulungen besucht und kennt die wichtigsten Regeln aus dem Berufsalltag. Trotz dieser unterschiedlichen Vorkenntnisse ist für beide häufig dieselbe Lernzeit eingeplant. 

Für Einrichtungen im Gesundheits- und Sozialwesen ist das eine echte Herausforderung. Pflichtfortbildungen müssen regelmäßig stattfinden, doch personelle und zeitliche Ressourcen sind knapp. Wer vorhandenes Wissen besser berücksichtigt, kann unnötige Wiederholungen vermeiden. So lässt sich Lernzeit einsparen und gezielter einsetzen.

Was ist personalisiertes Lernen? 

Personalisiertes Lernen heißt, dass Lerninhalte und Lernwege an die individuellen Voraussetzungen der Lernenden angepasst werden. Dazu zählen zum Beispiel das vorhandene Wissen, der persönliche Lernbedarf oder bereits erworbene Kompetenzen. 

Innerhalb derselben Pflichtfortbildung können die Lernziele für alle Mitarbeitenden gleich sein. Der Unterschied liegt darin, welche Inhalte die einzelnen Personen auf dem Weg dorthin bearbeiten. 

Damit geht personalisiertes Lernen über die Zuordnung von Kursen nach Berufsgruppen hinaus. Es berücksichtigt auch, dass die Vorkenntnisse innerhalb einer Berufsgruppe unterschiedlich sein können

Warum ist Vorwissen für erfolgreiches Lernen wichtig? 

Vorhandenes Wissen beeinflusst, wie Menschen neue Informationen aufnehmen und verarbeiten. Wer bereits Kenntnisse mitbringt, erkennt Zusammenhänge leichter und kann Neues besser einordnen. 

Der Bericht How People Learn II der National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine aus dem Jahr 2018 beschreibt Vorwissen als wichtigen Einflussfaktor auf Lernprozesse. Kalyuga und Renkl (2010) erklären außerdem, warum Lernende mit unterschiedlichen Vorkenntnissen unterschiedliche Unterstützung brauchen. Ausführliche Erklärungen helfen Personen ohne Vorkenntnisse, können für erfahrene Lernende aber überflüssig werden. 

Vorhandenes Wissen ist jedoch nicht automatisch richtig oder aktuell. Gewohnheiten können sich verfestigen, fachliche Anforderungen ändern sich, und manche Zusammenhänge werden womöglich falsch verstanden. Der Bildungsforscher Garvin Brod (2021) weist darauf hin, dass Vorwissen neue Lernprozesse sowohl unterstützen als auch behindern kann. 

Personalisiertes Lernen darf sich deshalb nicht darauf beschränken, bekannte Inhalte wegzulassen. Entscheidend ist, vorhandene Kenntnisse sinnvoll zu erfassen und mögliche Wissenslücken gezielt zu schließen.

Wie funktioniert personalisiertes Lernen in der Praxis? 

Personalisiertes Lernen kann mit einer Überprüfung des vorhandenen Wissens beginnen. Vor der eigentlichen Fortbildung beantworten die Lernenden dazu Fragen zu den vorgesehenen Themen. Diese Eingangserhebung heißt auch Pre-Assessment. 

Die Ergebnisse zeigen, welche Inhalte bereits sicher beherrscht werden und wo noch Lernbedarf besteht. Auf dieser Grundlage lässt sich ein individueller Lernweg zusammenstellen. Er enthält dann vor allem die Themen, bei denen Wissen aufgefrischt oder neu aufgebaut werden muss. 

Am Ende steht eine abschließende Wissensüberprüfung. Sie kann alle festgelegten Lernziele abdecken, egal welche Inhalte die Lernenden zuvor bearbeitet haben. So bleibt der Maßstab für alle gleich, auch wenn die Lernwege sich unterscheiden. 

Welche Vorteile bietet personalisiertes Lernen bei Pflichtfortbildungen? 

Besonders bei wiederkehrenden Pflichtfortbildungen kann personalisiertes Lernen Vorteile bieten. Viele Beschäftigte haben sich mit den grundlegenden Themen bereits mehrfach beschäftigt. 

Für Mitarbeitende heißt das, dass sie vertraute Inhalte nicht unnötig wiederholen müssen und sich auf die Themen konzentrieren können, bei denen tatsächlich Lernbedarf besteht. Das kann die Lernmotivation unterstützen und hilft, die verfügbare Zeit sinnvoll einzusetzen. 

Auch für Einrichtungen kann sich der Zeitaufwand verringern. Besonders bei größeren Teams und regelmäßig wiederkehrenden Schulungen kann das den Arbeitsalltag entlasten. 

Fortbildungsverantwortliche gewinnen zudem mehr Spielraum bei der Qualifizierungsplanung. Unterschiedliche Vorkenntnisse lassen sich innerhalb eines gemeinsamen Fortbildungsangebots berücksichtigen. So können Lernangebote besser zu den Bedürfnissen der einzelnen Mitarbeitenden passen. 

Personalisierung ersetzt allerdings nicht die Prüfung, welche Fortbildungsinhalte und Nachweise für bestimmte Tätigkeiten oder Einrichtungen erforderlich sind.

Personalisiertes Lernen mit „Mein Wissen, mein Kurs“ von Relias 

Wie sich dieser Ansatz bei Pflichtfortbildungen umsetzen lässt, zeigt das Relias-Format „Mein Wissen, mein Kurs“. 

Das Kursangebot „Pflichtthemen kompakt im Gesundheits- und Sozialwesen“ bündelt fünf zentrale Grundlagenthemen in einem E-Learning-Kurs. Dazu gehören Datenschutz, Arbeitsschutz, Hygiene, Informationssicherheit am Arbeitsplatz sowie Gefahrstoffe und Umweltschutz. 

Zu Beginn erfasst ein Pre-Assessment das vorhandene Wissen der Lernenden. Anhand der Ergebnisse steht fest, welche Inhalte sie noch bearbeiten oder auffrischen müssen. Themen, die sie bereits sicher beherrschen, müssen sie nicht vollständig wiederholen. 

Dadurch kann sich die Lernzeit gegenüber einem vollständigen Durchlauf aller Themen verkürzen. Wie viel Zeit tatsächlich eingespart wird, hängt vom vorhandenen Wissen ab. 

Zum Abschluss beantworten alle Lernenden verbindliche Fragen zu sämtlichen fünf Themengebieten. Das gilt auch für Themen, die sie aufgrund ihres Vorwissens nicht erneut bearbeitet haben. 

Für Fortbildungsverantwortliche vereinfacht sich zudem die Organisation. Statt fünf Einzelkurse separat zuzuweisen, können sie alle fünf Themen in einem Kurs zuweisen. 

Erfahren Sie, wie personalisiertes Lernen mit „Mein Wissen, mein Kurs“ von Relias funktioniert. 

Quellen und weiterführende Literatur 

National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine (2018): How People Learn II: Learners, Contexts, and Cultures. Kapitel 5: Knowledge and Reasoning. Washington, DC: The National Academies Press. 

Brod, G. (2021): Toward an understanding of when prior knowledge helps or hinders learning. npj Science of Learning, 6, Artikel 24. 

Kalyuga, S. & Renkl, A. (2010): Expertise reversal effect and its instructional implications: introduction to the special issue. Instructional Science, 38, 209–215. 

 

 

 

 

war mehrere Jahre als Krankenpfleger in der ambulanten Pflege tätig. Er erwarb den akademischen Grad Magister Artium in Germanistik an der Freien Universität Berlin. Nach seinem Studium arbeitete er als Texter, Lektor und Redakteur in der Unternehmenskommunikation großer Sozial- und Gesundheitsunternehmen – zum Beispiel der Johannesstift Diakonie und der Berliner Stephanus-Stiftung. Bevor er als Fachautor 2022 ins Relias-Team kam, schrieb er freiberuflich für die Patientenedukation in bariatrischen und thoraxchirurgischen Kliniken, in Adipositaszentren sowie für eine psychoonkologische Gesundheits-App.
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